Geschichte von Gablitz

1601

Banntaiding der Walddörfer Purkersdorf, Gablitz, Laab und Kaltenleutgeben. Das Banntaiding war die Zusammenfassung von Regeln und Gesetzen. Taiding = der für alle verpflichtende Gerichtstag. Die Gesetze wurden jährlich vom kaiserlichen Waldmeister bzw. Waldschaffer im Beisein der Bewohner verlesen. Im Banntaiding waren Grundgrenzen, Ge- und Verbote geregelt. Es kann als Vorläufer des Seuchen-, Waffen-, Meldegesetz, Feuerbeschau usw. gesehen werden.

1619

Einfall „böhmischer Kriegsvölker“, die die Kartause Mauerbach ausplündern.

1621 - 1648

gehören die Untertanen in Gablitz nicht zur Kartause Mauerbach. Kaiser Ferdinand II. schenkt 1621 die „18 Untertanen“ (damit sind wohl die 18 Häuser / 18 Familien) von Gablitz der Sophie Strauß von Hadersdorf. 1640 gelangt das Dorf Gablitz an den Wiener Steuerhändler Johann Wolfstrigl (Wolff Strigl), der sich

1641/42

um die Instandsetzung der Gablitzer „Laurenty Capellen“ annimmt. Dieses Unterfangen passt dem Verwalter der Mauerbacher Kartause nicht. Er lässt die neu aufgebrachten Dachziegel der Kapelle wieder hinterreißen. Wolfstrigl beschwert sich 1641 darüber schriftlich bei der Behörde. Er erwähnt, dass die Messe „in der Mühle geläutet“ werde. Für den Laurentius-Tag (10. August) solle die Kapelle instand gesetzt sein, damit der Pfarrer nach Gablitz kommen und in der Kapelle die Messe lesen könne. (Der Pfarrer kam nur einmal im Jahr am Laurentius-Tag nach Gablitz.)

Letztlich geht der Rechtsstreit um die Kapelle zu Gunsten der Kartause aus. An und in der Kirche ist heute noch das Mauerbacher Wappen mit der Jahreszahl„1642“ angebracht. Die Instandsetzung der Gablitzer Kapelle war vermutlich mit Unterstützung vom damaligen Besitzer des Dorfes, Hans Wolffstrigl und von den Bewohnern durchgeführt worden. In Mauerbacher Aufzeichnungen finden sich keine Aufzeichnungen über finanzielle Ausgaben für die Gablitzer Kapelle. Die Kartause war damals in argen Finanznöten. Kaiser Ferdinand befreite die Kartause unter Prior Jodocus Schubert (1631-1647) vom rückständigen Waldzins und von Mautgebühren.

1643

Am 3. März wurde die Gablitzer Kapelle „hon. ss. Laurentii et Brunonis“ vom Weihbischof Bartholomäus eingeweiht.

1644

war ein weiterer Rechtsstreit entschieden. Nicht das Waldamt Purkersdorf habe die Dorfobrigkeit über Gablitz, sondern die Kartause Mauerbach. Von der Kartause darf weiters ein Wirtshaus in Gablitz errichtet werden: „Dorf Obrigkeit zu Gablitz und Erbauung eines Würths Hauß allda ungehindert auch in der Mühl vorhin jederzeit geläuth gebet worden, gebüret dem Stift Mauerbach und hat sich das Kays. Wald Amt auch keines Dorfobrigkeitlichen acths anzunehmen. In die Commisarien Relation und der Ratificirte Vergleich zwischen dem Stift Mauerbach / a Johann Wolffstrigl den dato 20ten und 3ten febris 1644.“

1648

verkaufen Hans Wolfstrigl, Ratsbürger zu Wien, und seine Ehefrau dem Prior Johann von Mauerbach und seinem Konvent 18 Untertanen im Dorf Gablitz. Damit sind das Dorf Gablitz und seine Bewohner wieder Untertanen der Kartause Mauerbach.

nach 1648

werden unter Prior /Prälat Johann IV. Werner (1647-1678), der u.a. die Kartause Mauerbach fertigstellt und andere umfangreiche Bauvorhaben durchgeführt, auch das „Wirthshaus zu Gablitz“ wurde um 5000 fl. errichtet. Wie auf einer Ansicht vor 1820 zu sehen (Ölbild im Museum), war ursprünglich die „Stiftstaverne“ ein Langhaus in der Kirchengasse.

Das Mauerbacher Wappen (ohne Jahreszahl) befindet sich über dem Tor in der Kirchengasse. Bis zur Auflösung der Kartause 1782 sind die Bewohner des Dorfes Gablitz Untertanen der Kartause Mauerbach. Daneben gibt es zahlreiche Hüttler, die dem kaiserlichen Waldamt untertan sind.

1659

kommen der „Tatz“ (Schanksteuer) und

1661

Mühlenbuch: eine zweigängige Mühle in Gablitz

1663

die Urbarsteuer zur Kartause Mauerbach

1666

Gablitzer Kapelle in den Passauer Bistumsmatrikel als Filiale von Purkersdorf genannt.

1670

werden die Schanzen im Wienerwald überprüft, die sich in sehr schlechtem Zustand befanden.

1680

Im Dienstbuch des Waldamtes scheint der Hofkammerpräsident Christoph Abele von und zu Lilienberg (*19.5.1628 Wien + 12.10.1685 Wien) als größter Grundbesitzer in Gablitz mit 103 ½ TW auf. In seinem Besitz waren u.a. das Gut in (Wien) Hacking mit dem Schloss Hacking und einem Jagdschloss in Laab, Dorfgerechtigkeit und Kirchlehen, der Freihof Engelhartstätten (Breitenfurt) und ein Haus am Wiener Kohlmarkt. Nach seinem Tod ging ein Teil des Gablitzer Besitzes an die Witwe, die Graf Sallaburg heiratet, und ein anderer Teil an Klöster.

1683

Türkennot; Die Waldamtsuntertanen wurden „bey scharffer straff“ gezwungen alss der feindt schon gegen Wienn angeruckht“ war, Waldverhaue zu errichten und wurden zur Verteidigung abgestellt. Die Angriffe konnten nicht abgewehrt werden und der Waldschaffer Johann Egger berichtet am 16. Juli 1683 der Hofkammer, dass die Untertanen den Mut verloren und sich „mit ihren Waffen heimlich zur Flucht wendeten." Kirchen, Schlösser, Häuser wurden angezündet, Bewohner geflüchtet, verschleppt oder getötet. Gefangene konnten freigekauft werden, z.B. hat Abele von Lilienberg in seinem Testament Geldbeträge für die von Türken verschleppte Bewohner aus Laab vorgesehen.

 

Es dauerte noch viele Jahre, bis sich die Menschen von den verheerenden Zerstörungen erholt hatten. Es waren schwierige und unsichere Zeiten in großer Armut, Hungersnot, Seuchen und Pest ... - aber auch reiche Zeiten für manche „Eroberer“: Villen und Paläste wurden gebaut... und in Purkersdorf und Gablitz scheinen neue adelige Besitzer auf den Gründen des Waldamtes auf. Waldarbeiter aus Schwaben, aus der Steiermark, Oberösterreich und aus anderen Teilen Niederösterreichs werden vom Waldamt geholt.

(c) Dr. Renate Grimmlinger

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Gemeindeamt Gablitz 02231/63466-0

Dr. Renate Grimmlinger MSc
Tel. 0676/710 55 35
office(at)gablitz-museum.at

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